Notfallversorgung Handchirurgie

Titelbild Behandlungsschwerpunkt Notfallversorgung Handchirurgie

Notfallversorgung Handchirurgie

Durch eine Schnitt- oder Stichverletzung können Gefäße, Nerven und Sehnen im Bereich der Hand oder am Unterarm teilverletzt oder durchtrennt werden. Auch Gelenke können eröffnet oder selten der Knochen verletzt sein. Eine Durchtrennung der Gefäße kann zu einer Durchblutungsstörung der Hand oder der Finger führen; dann sollte eine zeitnahe operative Versorgung erfolgen (siehe Amputationsverletzungen).

Ist die Durchblutung nicht beeinträchtigt und liegen Verletzungen der Nerven und/oder der Sehnen vor, kann vorerst in der Notaufnahme die Wunde gereinigt und verschlossen werden und eine Versorgung nach Vorstellung in der handchirurgischen Sprechstunde geplant werden.

Katzen- und Hundebisse sind bei weitem die häufigsten Bissverletzungen, die in der handchirurgischen Notfallversorgung vorstellig werden.

Durch den Biss werden Bakterien in die Wunde eingebracht und diese können eine ernstzunehmende Infektion auslösen, die aufwendige operative Maßnahmen nach sich ziehen kann. Hier gilt: „Wehret den Anfängen!“ Daher sollten Tierbisse frühzeitig von einem Arzt untersucht werden.

Ohne lokale Entzündungszeichen kann es ausreichend sein, die Bisskanäle auszuschneiden. Bei einer geringfügigen entzündlichen Aktivität kann eine Ruhigstellung der betroffenen Gliedmaße und eine Kontrolluntersuchung in der handchirurgischen Sprechstunde angezeigt sein. Bewältigt das Immunsystem des Körpers die Infektion nicht alleine oder breitet sich die Infektion schnell und großflächig aus, kann die Operation und eine anschließend einsetzende Antibiotikabehandlung über die Vene den Infekt beherrschbar machen. Dabei sollte sämtliches entzündlich verändertes Gewebe entfernt werden. Entstandene Weichteilschäden und großflächige Wunden können Folgeoperationen notwendig machen.

Knochenbrüche im Bereich des Handgelenkes, der Handwurzel, der Mittelhand oder der Finger werden in der Notfallsituation vorerst ruhig gestellt mit einer Schienung. Selten ist es notwendig, den Bruch nach einer lokalen Betäubung zu richten.

Dann wird ein Termin in der handchirurgischen Sprechstunde vergeben und dort erfolgt dann die Besprechung der weiteren Therapie. Ist eine Operation notwendig, wird diese sodann geplant.

Eine zeitnahe operative Therapie ist bei Verrenkungsbrüchen der Handwurzel oder bei Brüchen erforderlich, die mit einer offenen Wunde einhergehen. Auch können durch einen Bruch Schwellungszustände auftreten, die zu Nervenbeschwerden führen. In diesen Fällen ist ebenfalls eine zeitnahe Operation durchzuführen.

Entzündungen am Arm oder der Hand sind nicht selten ein Grund für eine Vorstellung in der Notaufnahme. Häufige Auslöser sind Fremdkörper (Splitter), ältere Verletzungen oder Tierbisse.

Insbesondere bei älteren oder abwehrgeschwächten Menschen kann eine Entzündung auch ohne erkennbaren Auslöser auftreten.

Vorerst gilt es zu untersuchen ob eine bakterielle oder anders geartete Entzündung, z. B. ein Gichtanfall (Stoffwechselerkrankung), oder eine allergische Reaktion (Insektenstich) vorliegt.

Bei bakteriellen Entzündungen kann eine Operation notwendig sein, die sämtliches entzündlich verändertes Gewebe beseitigt. Selten können Gewebedefekte verbleiben, die sodann nach Beseitigung der Infektion durch weitere Operationen mit Gewebeersatz und Verpflanzungen von Haut wieder verschlossen werden.

Die Abtrennung einer Gliedmaße oder der Finger ist immer eine belastende Situation für die verunfallte Person und die Angehörigen. Erste Maßnahme sollte die möglichst saubere Wundabdeckung und Anlage eines Druckverbandes oberhalb der Wunde sein. Die abgetrennte Gliedmaße sollte gesichert und sauber und locker verpackt werden (wenn zur Hand z. B. Gefrierbeutel). Das so gesicherte Amputat kann dann in einem weiteren mit Wasser gefüllten Beutel gelagert werden. In diesen können 2 Eiswürfel zur Kühlung gegeben werden. Bei der Lagerung ist darauf zu achten, dass das Amputat nicht direkt mit dem Eis über längere Zeit in Kontakt kommt (Erfrierungen).

In der Notaufnahme wird zur Einschätzung der Handchirurg hinzugezogen. Gemeinsam mit Verunfalltem und wenn vor Ort den Angehörigen wird sodann die Entscheidung gefällt, ob eine Operation mit dem Ziel der Wiederherstellung des abgetrennten Körperteils (Replantation) sinnvoll ist und welche Erwartungen von Seiten des Verunfallten gerechtfertigt sind.

Liegt eine Teilverletzung einer der Hauptnerven der Hand auf Höhe des Ober-oder Unterarmes vor, so ist dies in der Regel ein Grund für eine zeitnahe operative Versorgung. Hier kommen die Verfahren der Mikrochirurgie zum Einsatz.