Prostatakrebs

Behandlungsschwerpunkt Prostatakrebs

Prostatakrebs

Bei begründetem Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakrebses (Tastuntersuchung, PSA-Erhöhung, Ultraschallbefund) wird derzeit die Prostata nach einem festen Schema Ultraschall-gesteuert mehr oder weniger ungezielt biopsiert. Statistisch liegt die Nachweis-rate dieser Methode trotz Vorliegen eines Karzinoms bei etwa 40 %. 

Eine hochmoderne, ausgefeilte MRT-Untersuchung (Kernspintomographie) kann durch Beurteilung verschiedener Gewebsparameter deutlich genauere Auskunft geben. Bei diesem Untersuchungsverfahren kann gleichzeitig neben der reinen Gewebedarstellung auch der Gehalt an freien extrazellulärem Wasser und das jeweilige Durchblutungsmuster analysiert werden. Tumorgewebe weist aufgrund einer höheren Zelldichte pro Volumen einen geringeren Extrazellulärraum auf. Außerdem unterscheidet sich das Durchblutungsverhalten deutlich vom Normalgewebe. Diese drei Untersuchungen zusammengefasst nennt man multiparametrisches MRT (mpMRT).
 
Mit Hilfe dieser Untersuchungskombination ist es nun möglich, Orte, die eine bestimmte
Tumorwahrscheinlichkeit aufweisen, genau zu lokalisieren. Allerdings handelt es sich weiterhin nur um einen Verdacht, der durch Probeentnahmen (Biopsien) bestätigt oder ausgeräumt werden muss.

Mit Hilfe einer Bildfusion kann der mpMRT-Datensatz mit einer Life-Ultraschall-untersuchung gekoppelt und so auffällige Bezirke gezielt biopsiert werden. Bei uns in Itzehoe erfolgt diese Art der Biopsie in Narkose und wird von 2 verschiedenen Zugangswegen (transrektal + perineal) durchgeführt. Eine Überwachung in den ersten 24 Stunden danach halten wir für geboten.

Die Nachweisquote eines bestehenden Karzinoms ließ sich mit Hilfe der Fusionsbiopsie an unserer Klinik auf etwa 70 % steigern. 

Die radikale Prostatektomie

Anmeldung

Die telefonische Anmeldung zur OP oder zu einem Vorgespräch mit einem unserer Prostata-Spezialisten erfolgt unter: 04821-772 2601.

 

Die Therapie

Die Therapie des Prostatakarzinoms, als häufigsten bösartigen Tumor des Mannes, stellt einen Behandlungsschwerpunkt im Klinikum Itzehoe dar.

Die radikale Prostatektomie, also die Entfernung der Prostata mit den Samenbläschen, ist eine der wichtigsten Therapiemöglichkeiten dieser Erkrankung. Ziel dieser OP ist die dauerhafte Heilung vom Prostata-Krebs.

Die radikale Prostatektomie wird im Klinikum Itzehoe regelmäßig und häufig vorgenommen. Da sie einen komplexen Eingriff darstellt, werden alle Eingriffe im Klinikum Itzehoe von nur 2 Operateuren durchgeführt, von denen zumindest einer bei jedem dieser Eingriffe mit am OP-Tisch steht. (So haben Sie die Gewähr, dass immer ein sehr erfahrener Operateur in Ihrem OP-Team anwesend ist).

 

Die interdisziplinäre Tumorkonferenz

Viele moderne Methoden können heute sehr effektiv das Prostatakarzinom behandeln. Welche Methode ist für Sie nun die beste? Um diese Frage zu beantworten wird vor jeder Therapie die Vorstellung in unserer Experten-Konferenz (Tumorkonferenz) vorgenommen.

Sie stellt sich zusammen aus Experten, die sich mit dem Prostatakarzinom befassen: Onkologen, Strahlentherapeuten, Pathologen, Radiologen/ Nuklearmediziner, den niedergelassenen Urologen, und uns Urologen aus dem Hause. Wahlweise werden Neurologen, Palliativmediziner, Unfallchirurgen/ Neurochirurgen und Schmerztherapeuten hinzugezogen. Die Konferenz tagt freitags.

Dort wird Ihnen eine Therapieempfehlung anhand der neusten wissenschaftlichen Leitlinien von einem interdisziplinären Fachgremium gegeben. Das Ergebnis erhalten sie gern auch schriftlich. Letztendlich treffen jedoch Sie zusammen mit Ihrer Ärzt:in die Entscheidung zu Ihrer Tumortherapie.

 

Mögliche Nebenwirkungen der radikalen Prostatektomie

Als wichtige Nebenwirkungen der radikalen Prostatektomie sind die Bildung von sogenannten „Lymphseen“ (Lymphozelen), die Inkontinenz und die Abnahme der Potenz zu nennen. Alle diese Nebenwirkungen können im Klinikum Itzehoe gut beherrscht werden. So ist beispielswiese die Kontinenz, also die Fähigkeit Urin zu halten, 6 Monate nach der OP im eigenen Krankengut bei 94% der Patienten gegeben. Gegen die Probleme der abnehmenden Potenz werden noch während des Krankenhausaufenthaltes Medikamente zur sogenannten „Schwellkörper-Rehabilitation“ gegeben und gegen die Lymphozelen halten wir verschiedene Therapiemöglichkeiten bereit. Wir beraten Sie gern!

Physiotherapie vor und nach der OP

Zur Op-Vorbereitung bieten wir Ihnen eine spezielle Physiotherapie, eine Urotherapie an. Sie erlernen wichtige Übungen schon vor dem Eingriff. (Dieses Konzept wird mit großem Erfolg auch in anderen Fachdisziplinen eingesetzt, etwa bei der Implantation von Gelenkersatz.) In der Urologie ist dieses Konzept relativ neu und zeigt in unserem Patientenkollektiv sehr gute Erfolge. Die Urologie Itzehoe hat hier eine Vorreiter-Rolle.

Sie lernen:

  • den Harnröhrenschließmuskel zu fühlen und anzusteuern
  • den Beckenboden zu entspannen und sensibler wahrzunehmen
  • durchblutungsfördernde Maßnahmen für die Blase, den Darm und den Beckenboden zu erlernen
  • die Atmung unterstützend einzusetzen.

 

 

Diese physiotherapeutischen Übungen werden nach der OP, z.B. im Rahmen einer Rehabilitation (AHB) fortgesetzt. Sie unterstützen und fördern deutlich den Heilungsprozess. Wir möchten Sie hiermit ausdrücklich zu einer Teilnahme an einer Rehabilitation, möglichst im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung (AHB) ermutigen.

HIFU-Therapie bei Prostatakrebs

Anmeldung:

Die telefonische Anmeldung zur OP oder zu einem Vorgespräch mit einem unserer Prostata-Spezialisten erfolgt unter: 04821-772 2601

HIFU

Der Hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU) ist eine schonende, minimal-invasive Behandlungsform des Prostatakarzinoms.

Im Klinikum Itzehoe wird diese „sanfte“ Behandlungsalternative seit vielen Jahren mit großem Erfolg eingesetzt.

Wirkprinzip

Der Patient befindet sich in einer milden Vollnarkose. Sehr hochintensive Ultraschallwellen werden erzeugt, gebündelt und auf die Prostata gelenkt. Dort entstehen hohe Temperaturen, die den Prostatakrebs abtöten. Das veränderte Gewebe stößt sich mit der Zeit ab und wird letztendlich mit dem Urin ausgeschieden. Ein OP-Schnitt oder Röntgenstrahlen sind nicht erforderlich, es werden auch keine Fremdkörper implantiert. Ein Blutverlust ist nicht zu befürchten. Das Verfahren arbeitet sehr präzise, sodass das umliegende Gewebe unbedingt geschont wird. 

Einsatzmöglichkeiten

  • Erstbehandlung des lokal begrenzten Prostatakrebses
  • Zweitbehandlung nach anderen Therapien (z.B. Bestrahlungen)

Weitere Fakten zur HIFU

  • besonders geeignet für Patienten mit schweren Begleiterkrankungen, die etwa keine große Op vertragen würden.
  • keine therapeutische Sackgasse
  • bei Bedarf wiederholbar
  • Alle HIFU-Therapien werden vorher in der interdisziplinären Expertenkommission besprochen. Dort erfolgt die entsprechenden Therapieempfehlung.
  • Ist der Tumor nur auf eine Prostatahälfte beschränkt, könnte in Sonderfällen auch nur eine Hälfte der Prostata behandelt werden.
  • Jeder Patient wird mittels einer Studie nachverfolgt, um die Therapieergebnisse weiter zu verbessern und die Verbreitung dieser Methode weiter voranzutreiben. Die Teilnahme an der anonymisierten Studie ist obligat, persönliche Daten werden nicht weitergegeben.
  • Krankenhausaufenthalt von 3-4 Tagen
  • Keine Zusatzkosten für den Patienten

Bei weiteren Fragen zur HIFU-Therapie beraten wir sie gern!

Im Falle eines weiter fortgeschrittenen Tumorleidens der Prostata werden im Klinikum Itzehoe seit über 20 Jahren auch medikamentöse Therapien angeboten. Damit steht seit vielen Jahren ein breites Behandlungsspektrum zur Verfügung.

Auch hier erfolgen alle Therapien in enger Absprache mit der interdisziplinären Tumorkonferenz.

Seit 2020 erfolgt die ambulante Versorgung im Rahmen einer „Ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV)“,  um Ihnen eine leitliniengerechte Therapie aber auch die notwendigen Untersuchungen zusammen mit unseren zahlreichen Kooperationspartnern auf hohem wissenschaftlichem Niveau anbieten zu können.

Das Spektrum der medikamentösen Therapien wird kontinuierlich erweitert. Es beinhaltet beispielsweise:

  • Die Hormonentzugstherapie (LHRH, Tablettentherapie)
  • Die Therapie des Hormonentzugs der 2. Generation (Abirateron/ Enzalutamid/ Apalutamid/ Darolutamid)
  • Die Infusionstherapie (Chemotherapie) mit Docetaxel/ Cabacitaxel
  • Die Chemotherapie von histologischen Spezialfällen, z.B. Carboplatin/ Etoposid bei kleinzelligen Prostatakarzinomen.
  • Die knochenstabilisierende medikamentöse Therapie (Osteoclastenhemmung)
  • Personalisierte Therapie bei gesicherten genetischen Veränderungen, z.B. die Therapie mit PARP-Inhibitoren bei BRCA-Aberationen